"Canadian Style" oder "Classic Solo Canoeing" (Bezeichnung von Becky Mason) ist ein Paddelstil der es einem einzelnen Paddler erlaubt größere Kanadier, die für mehrere Personen oder als Lastentransporter ausgelegt sind, effizient und komfortabel alleine zu paddeln.

 

Auffälligstes Merkmal dieses Paddelstils ist die Knieposition in der Mitte des Kanus und zu einer Seite hin versetzt von der Kiellinie. Dabei wird das Boot stark zu einer Seite hin aufgekantet, wodurch die Steven sich aus dem Wasser heben und das Boot sehr wendig wird. Außerdem verkürzt sich die Kiellinie und die benetzte Rumpffläche verkleinert sich, wodurch weniger Reibung entsteht. Ein weiterer Vorteil dieser Position ist die Nähe zum Süllrand. Dadurch wird es möglich das Paddel senkrecht einzustechen und nahe an der Kiellinie zu führen, was für ein effizientes und komfortables Paddeln unerlässlich ist. Beim Classic Solo Canoeing benutzt der Paddler meist keine Sitzbank, sondern sitzt in kniender Position mit dem Gesäß auf den Fersen. Diese Haltung ist für manchen recht gewöhnungsbedürftig. Mit einem Kissen, oder einem Packsack zwischen den Beinen, auf den man sich rittlings setzt, lässt sich der Komfort jedoch erhöhen. Diese Position sorgt auch für einen tiefen Schwerpunkt im Boot und bietet dadurch eine sehr gute Stabilität.

Der Canadian Style wurde von Omer Stringer stark geprägt, weshalb das Canadian Style Paddeln auch oft noch als „Omering“ bezeichnet wird.

(The Omer Stringer Story)

 

Omer Stringer

Omer Stringer (1912-1988) wurde in jungen Jahren Guide im Algonquin-Park in Kanada. Zu dieser Zeit bestand die Aufgabe der Guides vornehmlich darin Ihre Kunden samt Ausrüstung mit den Kanus zu entlegenen Jagt- und Fischrevieren zu paddeln. Dort angekommen, wurden die jüngeren Guides, alleine, mit dem Kanadier zurück zum Ausgangspunkt der Reise geschickt, um restliche Ausrüstungsgegenstände und Verpflegung zu holen. Dabei überquerten sie auch viele große Seen, auf denen gelegentlich raue Bedingungen herrschen. Damit die Boote sich, mit nur einem Paddler auf dem Hecksitz, im ansonsten leeren Kanu, nicht wie Fähnchen im Wind drehten, wurde der fehlende Bugpaddler durch Steinballast oder Sandsäcke ersetzt (Anmerkung: Alles was schwerer als Wasser ist sollte aus Sicherheitsgründen nicht als Ballast verwendet werden). Omer Stringer war ein eher kleiner Mensch, und konnte sich nicht dauerhaft damit anfreunden, „unnötigen“ Ballast durch die Gegend zu paddeln. Auf der Suche nach einer effizienteren Möglichkeit, entdeckte er, dass die Indianer in der Mitte ihrer Kanus saßen, wenn sie alleine paddelten. Dadurch war auch der Drehpunkt in der Mitte des Bootes, und die Boote konnten ohne Ballast bei Wind leichter manövriert werden ohne sich dauernd zu drehen. Ein Problem war aber noch, dass die Boote, die ja für mehrere Personen und Gepäck ausgelegt waren, zu breit waren um mit dem Paddel das Wasser bequem erreichen zu können. Das hat Omer Stringer durch das Versetzen an einen Rand des Bootes hin gelöst. Zusätzlich zur verbesserten Paddelhaltung wurde das Boot drehfreudiger und man brauchte kaum noch Kraft um selbst ein großes Boot auf der Stelle zu wenden.

Diese merkwürdige Art zu Paddeln fiel natürlich auf. Seine Zeitgenossen erkannten die Vorteile und schon bald unterwies Omer Stringer seine Kollegen und Freunde in dieser Art des Paddelns. Manche nahmen an Bootsparaden teil, bei denen man die schönsten Boote und seine Paddelkünste zur Schau stellen konnte. Canadian Style Paddling verbreitete sich von da an schnell, und wurde von einer Arbeitserleichterung für Guides zu einem Freizeitvergnügen.

Die leichten und eleganten Drehungen und die verblüffende Manövrierbarkeit der Boote lassen diese aussehen als würden sie tanzen. Es lag daher nahe, dass bald ganze Choreographien mit mehreren Booten einstudiert wurden.

Canadian Style heute

Grundgedanke des Canadian Style ist, dass der Paddler sein Boot präzise und mühelos, mit minimalem Krafteinsatz bewegt, und dabei aussieht als würde er nichts tun. (für manche ein guter Gegensatz zum Arbeitsleben) Unnötige Bewegungen und Geräusche werden vermieden. Dabei werden klassische, lange und schlanken Paddel verwendet, die sich leicht im Wasser drehen lassen. Mittlerweile wurden unter dem Begriff „Canoe Dancing“ zahlreiche Figuren und Formationen entwickelt, die oft auch als Interpretation von Musikstücken gezeigt werden. Man spricht deshalb auch gelegentlich von „Kanuballett“. Auch heute sollte man den praktischen Nutzen dieser Art zu Paddeln nicht verkennen. Es gibt vermutlich keine effizientere, kontrollierte Art ein großes Kanu alleine zu paddeln.

Mit Aufkommen der ersten echten Solokanadier in den 1970er Jahren hat sich aus dem Canadian Style der American Freestyle entwickelt, der sowohl Solo als auch Tandem gepaddelt wird. Auch hier stehen Effizienz und Reduktion auf das Wesentliche im Mittelpunkt.

Gemeinsamer, wichtigster Treffpunkt für die Canadian Style – und die Freestyleszene ist in Europa das, von Silke Reitner 2006 ins Leben gerufene, „Kringelfieber“ am Edersee in Deutschland.

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